Geistliches Wort für Oktober / November 2022


Buettner gruen 500pxSiehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet.
Offenbarung 38


Wer steht schon gern vor verschlossener Tür? Groß ist die Freude, wenn einem die Tür geöffnet wird und man im Haus willkommen ist. Dass die Tür aufgetan ist und diese auch niemand mehr abschließen kann, hat Jesus Christus der Gemeinde in Philadelphia ausrichten lassen. Gemeint ist die Tür zum himmlischen Jerusalem, zur Seligkeit, zur ewigen Gemeinschaft mit dem Dreieinigen Gott. Dass die Tür zum Himmel geöffnet ist, liegt nicht an den Leistungen der Gemeinde zu Philadelphia oder ihren Fähigkeiten. Vielmehr hat sie eine kleine Kraft. Entscheidend ist, sie das Wort des Herrn bewahrt und seinen Namen selbst in der Verfolgung nicht verleugnet hat.

Dass sich ein Christ, eine Gemeinde, eine Kirche zu Jesus Christus bekennt, kann zu manchen Benachteiligungen, ja bis zum Tod führen. In der Geschichte der Kirche hat sich immer wieder gezeigt, dass Bekenntnistreue in den Gegensatz zu den Herrschenden und Machthabern führen kann. Christenverfolgungen durch die Jahrhunderte hindurch, aber auch konfessionelle Spannungen unter Christen zeigen dies. Wir als evangelisch-lutherische Kirche gedenken der Reformation am 31. Oktober, nicht um Martin Luther auf den Sockel zu stellen, sondern um das Evangelium von Jesus Christus und das Bekenntnis zu ihm in den Mittelpunkt zu rücken. Eben die Treue zum Evangelium hat damals Martin Luther in einen Gegensatz zur römisch-katholischen Kirche und zum Kaiser gebracht. Gut 300 Jahre später waren es die Altlutheraner, die sich der Union nicht anschließen wollten. Verfolgung durch den Staat war die Folge. In Deutschland zu Beginn der Nazidiktatur in den Jahren 1934/35 versuchten die Deutschen Christen (DC) mit ihrer nationalsozialistischen Ideologie, die Macht in den evangelischen Landeskirchen an sich zu reißen. Evangelische Pfarrer, die sich nicht beugen wollten, wurden amtsenthoben. Die Bekennende Kirche entstand und fand mit ihren Pfarrern und Gruppen Gastfreundschaft in Kirchen und Gemeinden der Altlutheraner. In unseren Tagen hören wir von Christenverfolgungen im Iran, Nordkorea, Afghanistan und zahlreichen anderen Ländern. Große Kraft haben diese verfolgten Kirchen kaum – jedenfalls allem Anschein nach.

Es kommt aber, so Gottes Wort, nicht auf die eigene Kraft an. Diese mag klein und unbedeutend sein. Hohe Mitgliederzahlen sind nicht entscheidend, selbst finanzielle Potenz ist nicht das, was zählt. Der Kirche ist nicht verheißen, eine bedeutende gesellschaftliche Rolle einzunehmen. Ihr ist auch nicht gesagt, dass sie Macht und Einfluss in Politik und Gesellschaft haben wird. Einzig entscheidend ist, am Wort des Herrn zu bleiben und sich treu zu ihm zu bekennen. Die Kraft dazu erhält die Kirche zu allen Zeiten und an allen Orten durch sein Wort, das Wegweisung und Orientierung schenkt, und durch die Sakramente, an die der Herr sich gebunden hat und in denen er wahrhaft gegenwärtig ist. Das sind die Kraftquellen, aus denen die Kirche lebt – auch die verfolgte Kirche.

Der Versuchung zu erliegen, sich anzupassen, Gottes Wort zurechtzubiegen im Sinne von: Was nicht passt, wird passend für die heutige Zeit gemacht, kann für die Kirche nicht der gewiesene Weg sein. Vielmehr wird derjenige die Verheißung empfangen, der Jesu Wort hält und ihm in allen Lebenslagen treu ist. Das Wort des Herrn bewahren, heißt bei dem zu bleiben, was die Heilige Schrift lehrt. Die Treue zum Wort Gottes zeigt sich dort, wo gerade dieses scharf in Frage oder unerbittlich in Abrede gestellt wird. Es gilt, sich gerade dann nicht zu beugen, wenn der Druck auf die Kirche un- und übermenschlich wird. Dem Druck standzuhalten, wird aus eigener Kraft nicht gelingen. Hier braucht es den Beistand des Heiligen Geistes.

Christus selbst sagt der treuen Gemeinde zu, dass er eine Tür sperrangelweit aufgetan hat, die niemand zuschlagen kann. Er hat diese Tür markiert mit dem Signalwort: Siehe! Dieses kleine Wort ist wie ein Textmarker, der uns das, was folgt, leuchtend vor Augen führt, sodass wir auf den ersten Blick erkennen, was wirklich wichtig ist. Schauen wir hin, was der Herr uns zusagt! Hier ist die Tür, die niemand mehr zuzusperren vermag. Sie ist und bleibt offen für den, der sich treu zu Jesus Christus hält und seinem heiligen Wort in Treue verbunden bleibt.

Man kann nicht umhin, an Jesu Wort zu denken, wo er über sich selbst sagt: Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden (Johannes 10,9). Wer sich also an Jesus Christus hält und ihm glaubt, hat den Eingang gefunden, um selig zu werden und in der sichtbaren Gemeinschaft mit Gott zu leben. Diese Tür in Gottes Herrlichkeit ist im Glauben an Jesus Christus offen. So blicken wir in unseren Tagen nicht auf unsere kleine Kraft, sondern schauen auf Jesus Christus. Ihm halten wir die Treue. Denn auch für die Glaubenden heute ist die Tür offen.

Herzliche Grüße
Ihr Pastor Markus Büttner