Geistliches Wort für Juni / Juli 2020


Du alleBuettner gruen 500pxin kennst das Herz aller Menschenkinder.
1. Könige 8,39

„Die Gedanken sind frei. Wer kann sie erraten? Sie fliegen vorbei wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen…“, so lautet ein altes Lied. In der Tat kennt niemand die Gedanken eines anderen. Der Monatsspruch für Juni dieses Jahres führt uns in die Weihe des Tempels durch König Salomo etwa 950 v. Chr. Dieses Bibelwort lässt uns teilhaben am Gebet des Königs für das Volk Israel an diesem besonderen Tag. Die Zeit der Stiftshütte, in der während der Wanderung des Volkes Israel die Bundeslade wie auch zahlreiche liturgische Geräte ihren Platz hatten, ist mit der Fertigstellung des Tempels vorüber. Die Weihe des Tempels – des Hauses Gottes – bildet den Abschluss und Höhepunkt. Der Tempel wird durch die Weihe in Dienst genommen und Gottes Gegenwart erfüllt das Haus des Herrn. So tritt Salomo an den Altar, um im Gebet vor Gott zu treten. Dieses kurze Gebetswort steht im Zusammenhang der Bitte um Erhörung angesichts von schweren Bedrängnissen, die den Einzelnen wie auch das ganze Volk betreffen können. Genannt werden Hungersnot, Pest, Dürre, Heuschrecken, Feinde, Krankheiten. Wer in Situationen dieser äußeren Bedrängnis seine Hände zum Gebet erhebt und sich in seiner Verzweiflung an Gott wendet, den möge Gott hören im Himmel, an dem Ort, wo du wohnst, und gnädig sein und schaffen, dass du jedem gibst, wie er gewandelt ist, wie du sein Herz erkennst – denn du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.

Es ist folglich eine Ermutigung, sich besonders in Krisenzeiten an Gott zu wenden. Auch uns ist heute eben auch dieses Bibelwort eine tröstende Aufforderung, sich an unseren himmlischen Vater mit unseren Anliegen und Bitten zu richten. Angesichts der Pandemie mit ihren Folgen für die Gesundheit, den Wirtschafts-, Finanz- und Währungssektoren und die Auswirkungen auf unser alltägliches Leben, lassen sich in letzter Konsequenz noch nicht abschätzen. So sehr wir Gott um alles bitten können, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater, um es mit Martin Luther in seiner Erklärung zur Anrede des heiligen Vaterunsers zu sagen, so sehr weist uns Gottes Wort darauf hin, dass es zunächst um Gottes Gnade geht. Wer um Gnade bittet, weiß darum, dass es nicht das Recht ist, was er einfordern kann. Vor Gott gibt es kein Recht auf Überfluss, Gesundheit, gutes Wetter mit Sonne und Regen im rechten Maß, Frieden. Alles das - und noch weit mehr - sind unverdiente Geschenke und Segen Gottes. Gott kann in seiner Souveränität eben dies auch entziehen und versagen. Die gnädige Zuwendung Gottes und sein zugewandter Segen ist damals wie heute kein Recht, sondern allein Gnade. Wer sich bewusst wird, dass er nicht vom Recht, sondern von der Gnade Gottes lebt, wird dankbar für das, was er aus Gottes gütiger und gnädiger Hand als Segen empfängt. Trotz aller äußeren Bedrängnisse, Fragen nach der Zukunft, Krisen, ist Gottes Segen, seine Bewahrung und Führung im Leben zu entdecken. Dieser Blick wird nicht selten erst im Rückblick geschenkt, wenn sich der Staub der Krisen gelegt hat und ein klarer sowie unverstellter Blick möglich wird.

Die Bitte Gott möge gnädig sein, verbindet Salomo in seinem Weihegebet am Altar mit dem Anliegen, dass du jedem gibst, wie er gewandelt ist, wie du sein Herz erkennst. Das führt unweigerlich zur Frage des Lebenswandels vor Gott. Gott kennt das Herz. Ist in der Bibel von Herz die Rede, meint die Heilige Schrift die ganze Person mit ihrer Identität. Vor Gott liegt das Leben mit der Lebensgestaltung offen. Gott allein vermag das Leben eines jeden vollständig zu erkennen. Menschen ist diese Erkenntnis nicht gegeben. Salomo weiß darum, dass Menschen sich in einem anderen Menschen täuschen können. Mancher baut eine Fassade auf, um besser zu erscheinen als er in Wirklichkeit ist. Ein anderer gaukelt vor vertrauenswürdig zu sein, um dann unbarmherzig das entgegengebrachte Vertrauen zu missbrauchen. Wieder ein anderer spielt falsche Tatsachen vor, die sich nach der Prüfung als falsch erweisen. Wer sich getäuscht hat, ist am langen Ende enttäuscht. Die Täuschung, der er erlegen ist, ist der nackten Wahrheit gewichen. Sie kann bitter sein, verletzend allemal. Dies gilt nicht nur in der Beziehung zum Nächsten, sondern auch zu sich selbst. Manches wird in allerbester Absicht gesagt und danach gehandelt, es endet aber in Unfrieden und Missverständnissen. Jeder selbst kennt zuweilen nicht die Tragweite seiner Gedanken, Worte und seines Handelns. So sehr sich Menschen untereinander und sich auch selbst zu täuschen vermögen, so wenig ist dies vor Gott möglich. Gott lässt sich nicht täuschen, sondern vor ihm liegt jedes Leben wie ein offenes Buch. Jede Biographie – jedes geschriebene Leben – ist vor Gott offenbar. Dem kann sich kein Mensch entziehen – auch nicht vor sich selbst. Daher verbietet sich jede Rechthaberei und jedes letztgültige Urteilen über einen Menschen. Dies steht allein Gott zu! So werden wir von diesem Wort Heiliger Schrift in die Beichte geführt und in das eigene Eingeständnis des Versagens vor Gott. Einem jeden ist aber aufgetragen, sich in das Beichtgebet zu geben. Hier kann Martin Luthers Beichtgebet eine Hilfe sein, welches wir auch in unseren Beichtandachten jeder für sich und doch gemeinsam vor Gott tragen:

Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, ich armer, elender, sündiger Mensch bekenne dir alle meine Sünde und Missetat, die ich begangen habe mit Gedanken, Worten und Werken, womit ich dich erzürnt und deine Strafe zeitlich und ewiglich verdient habe. Sie sind mir aber alle herzlich leid und reuen mich sehr, und ich bitte dich um deiner grundlosen Barmherzigkeit und um des unschuldigen bitteren Leidens und Sterbens deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, du wollest mir armen sündhaften Menschen gnädig und barmherzig sein, mir alle meine Sünden vergeben und zu meiner Besserung deines Geistes Kraft verleihen. Amen.

Auch die Gedanken unterliegen der Sünde. Daher bekennen wir vor Gott die begangenen Sünden in Gedanken, Worten und Werken. Gott kennt das Herz aller Menschenkinder. In der Tat: Kein Mensch kennt die Gedanken eines anderen Menschen. Allein Gott weiß darum. Zu ihm kommen wir mit allem, was uns beschäftigt, seien es Gedanken, Worte, Taten. Gottes Gnade ist in Jesus Christus jeden Tag neu. Dieser Neuanfang gilt für jeden, der zu ihm kommt – besonders in Krisenzeiten. Kommen Sie alle gut durch diese herausfordernden Zeiten und bleiben Sie Gott befohlen.

Herzliche Grüße
Ihr Pastor Markus Büttner