Geistliches Wort für August / September 2020


DeBuettner gruen 500pxnn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
2. Korinther 5,19

Im August enden die Schulferien in Berlin. Die Schüler werden wieder die Schulbank drücken und neben anderen Fächern auch Mathe pauken. Von den Grundrechenarten der ersten Klassen bis hin zu komplexen Aufgaben im Mathematik-Leistungskurs, werden die Köpfe rauchen. Der Mensch ist ein mathematisches Wesen, zwar nicht in dem Sinne, dass jeder Mensch Freude an der Mathematik hätte, wohl aber im Aufrechnen der Sünde und Anrechnen der Schuld. Durch die Sünde gerät der Mensch immer tiefer in die Schuldenfalle. Das Guthabenkonto ist rasend schnell aufgebraucht und ehe er sich versieht, steht er in der Schuld des Nächsten durch lieblose und abwertende Worte, ungerechtes und überhebliches Verhalten, böse und niederträchtige Gedanken, überzogene und ungerechtfertigte Erwartungshaltungen. Manches geschieht hierbei schweigend. Schleichende Entfremdung ist die Folge bis die Kommunikation gänzlich abreißt. Das, was zwischen Menschen geschieht, ereignet sich auch zwischen Gott und Mensch.

Der Sünder sucht seinen Weg und ist im höchsten Maße irritiert, verunsichert, erbost, wenn sein selbstgewählter Lebensweg in die Sackgasse führt. Sich jedoch selbst die Schuld zuzuschreiben, kommt ihm kaum in den Sinn. Die Lebensumstände haben Schuld, der Nächste, der nicht wollte, wie man selbst, am Ende sogar Gott. Dass dies jedoch eine Milchmädchenrechnung ist, ist dem Sünder nicht bewusst, weil er blind für seine Lage vor Gott und dem Nächsten ist sowie taub für das, was Gottes Wort ihm in seinem Gesetz und im Evangelium zu sagen hat. So verrechnet sich der Sünder und gerät immer tiefer in die Schuldenfalle. Aus dieser kann er weder sich noch andere retten. Wer bis über beide Ohren verschuldet ist, braucht Hilfe von außen.

Es braucht daher höhere Mathematik – Gottes Mathematik! Denn Gott rechnet auch. Der Mensch gerät nicht nur durch Sünde dem Nächsten gegenüber in die Schuldenfalle, sondern auch Gott gegenüber. Gleichsam auf den beiden Konten – Gott und der Nächste – steht der Sünder tiefrot im Minus. Es braucht daher einen, der die tiefroten Konten ausgleicht, die Schuld übernimmt und diese tilgt. Gott ist Mathematiker und rechnet. Seine Rechnung ergibt, dass der Sünder allein seine Schuld nicht wird begleichen können - weder ihm noch dem Nächsten gegenüber. Darum braucht es einen globalen Rettungsschirm, unter dem der Sünder mit seiner Schuld fliehen kann. Die Rechnung Gottes geht auf, indem er seinen Sohn Jesus Christus in diese verlorene und leidzerrissene Welt sendet, um zu versöhnen. Gott selbst handelt durch seinen Sohn Jesus Christus, um die Sünder aus der Schuldenfalle zu befreien. Nun geschieht dies weder mit Dollar noch Euro, weder mit Rubel noch mit Pfund, weder mit Gold noch mit Silber, „sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben“, wie Martin Luther im Kleinen Katechismus treffend erklärt (2. Hauptstück – 2. Glaubensartikel).

Im Kreuz Jesu Christi wird Gottes Rettungshandeln für diese Welt sichtbar und mit den Augen des Glaubens wird im Gekreuzigten der Sohn Gottes, der für uns gestorben ist, erkannt und bekannt. Universell und global ist Gottes Rettungshandeln am Kreuz unseres Herrn. Es braucht den Glauben an diesen Herrn, der als Lamm Gottes die Sünden der Welt trägt. Durch seinen Sohn Jesus Christus handelt Gott selbst zum Heil für die verlorene Welt. Sein Ziel ist die Versöhnung. Sie geschieht in Christus. Wer in Christus ist – also mit ihm in Gemeinschaft steht und lebt –, der hat Anteil an der Versöhnung und seinen Platz unter dem Rettungsschirm Gottes. Die Gemeinschaft mit Jesus Christus ist durch die Heilige Taufe hergestellt. Der Getaufte steht unter dem Rettungsschirm des Dreieinigen Gottes. Jedoch wagt auch der Christ immer wieder diesen Rettungsschirm zu verlassen, um auf eigene Rechnung sein Leben zu gestalten. Von neuem beginnt er mit dem alten Lied der Sünde und der Schuld, fällt zurück in alte Verhaltensmuster und Charakterschwächen. Jedoch kann der Sünder durch das Opfer Jesu Christi am Kreuz unter den aufgespannten Rettungsschirm Gottes schlüpfen, den Ruf zur Versöhnung hören und durch Gottes Güte umkehren. Geführt wird er in die Heilige Beichte. Die Sünden werden dem reuigen Sünder von Gott nicht zugerechnet. Sie gehen nicht zu seinen Lasten und vergrößern die Schuld. Die Sünden gehen zu Lasten des Gekreuzigten. Gott rechnet die Sünden des Sünders weg und überträgt sie seinem Sohn Jesus Christus. Das, was er dem Sünder durch das Wort von der Versöhnung allein aus Gnade überträgt ist Leben und Seligkeit. Der Sünder ist durch das befreiende Wort der Sündenvergebung aus der Schuldenfalle herausgekommen. Freiheit ist geschenkt und Frieden ist hergestellt. Die Schuld trägt der Gekreuzigte. Bezahlt hat er „mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben!“ Das ist die Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnade um Christi willen – oder eben das Wort von der Versöhnung. Gekostet hat diese Rechtfertigung des Sünders für Jesus Christus sein Leben, damit der Sünder die Gnade umsonst empfängt. Folglich ist die Gnade Gottes nicht billig, sondern teuer erworben.

Wer das Wort von der Versöhnung hört, ihm glaubt und es an und für sich gelten lässt, der wird seinem Nächsten die Hand zur Versöhnung ausstrecken, im Wissen selbst die Vergebung Gottes täglich nötig zu haben. Keine immer leichte Übung in der Schule des Glaubens. Gottes Mathematik ist höher als alle Vernunft. Daher braucht es im Fach, göttliche Mathematik, in der Schule des Glaubens viel einübende Geduld, herzliches Erbarmen und gütige Barmherzigkeit – eben Gottes Mathematik!

Dies wünscht Ihnen und sich mit herzlichen Grüßen
Ihr Pastor Markus Büttner