Geistliches Wort für April / Mai 2022


MBuettner weiss 500pxaria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern:
»Ich habe den Herrn gesehen«, und was er zu ihr gesagt habe.
Johannes 20,18

Der Begriff der Zeitenwende gehört seit dem 27. Februar 2022 durch die Regierungserklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz wieder zum aktiven Wortschatz. Es wird dann von einer Zeitenwende gesprochen, wenn ein äußeres Ereignis die Systematik dieser Zeit und Welt vollständig und nachhaltig auf den Kopf stellt. Das, was zuvor gültig gewesen ist, gilt nicht länger. Das Wort Zeitenwende teilt die Welt in ein Vorher und Nachher ein.

Zeitenwende! Das lässt sich gewiss über die Ostergeschehnisse sagen. Denn das, was dort im Garten geschehen ist, ist unvergleichbar und analogielos. Der für uns gekreuzigte Herr Jesus Christus ist auferstanden und lebt! Ostern ist das Schlüsselereignis überhaupt. Die unabänderlich und endgültig scheinende Gesetzmäßigkeit, dass der Tod das Ende des Lebens ist, gilt nicht länger. Mit der leiblichen Auferstehung Jesu Christi ist eine neue Zeitrechnung angebrochen, welche dem Tod lediglich das vorletzte Wort einräumt, aber nicht das letzte. Das letzte Wort über alles Leben hat derjenige, der als Lebendiger aus dem Gartengrab auferstanden ist – Jesus Christus!

Nicht allein dem Tod wird lediglich das vorletzte Wort eingeräumt, sondern auch der Zeit. Sie kann vielleicht als „kleine Schwester“ des Todes verstanden werden. Die Zeit führt dem Menschen seine Endlichkeit vor Augen. Unentrinnbar zeigt der Zeiger der Uhr an, dass die Zeit des Lebens vergeht und der Tod mit jeder vergangenen Sekunde wieder ein Stück näher gerückt ist. Die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus ist nicht nur der Beginn der Vernichtung des Todes und der Sieg des Lebens, sondern die Auferstehung des Herrn ist auch der Anfang vom Ende der Zeit. Mit der leiblichen Auferstehung des Herrn und seine Aufnahme in den Himmel ist Gottes Zeit auch für die angebrochen, die an ihn als den gesandten Sohn Gottes glauben. Diese zeitlose Gotteszeit ist die Ewigkeit. An dieser Gotteszeit haben die in Jesus Christus entschlafenen Schwestern und Brüder schon jetzt Anteil - im Schauen der ewigen Welt des Dreieinigen Gottes. So ist Ostern eine Zeitenwende, die tatsächlich die Welt in ein Vorher und ein Nachher einteilt.

Eine Zeitenwende ist für Zeitgenossen nicht immer wahrnehmbar. Denn der Zeitgenosse ist mit seinen vertrauten Denkmustern, Handlungsweisen und Lebensentwürfen an seine jeweilige Zeit gebunden. Aus diesen seinen vermeintlichen Gewissheiten vermag er kaum herauszutreten oder gar auszubrechen. Denn die Zeit bindet den Zeitgenossen an seine Zeitepoche. Er scheint schicksalhaft und unentrinnbar mit ihr verbunden zu sein.

Maria Magdalena ergeht es zunächst nicht anders. Mit der Zeit hat sie verstanden, dass der Herr auf dem Hügel von Golgatha am Kreuz gestorben ist. Tod ist ja Tod - das ist doch eine unabänderliche Gewissheit. Vertraut sind die Handlungsweisen, was wann wie zu tun ist. Maria denkt und handelt, wie sie es gewohnt ist. Maria weint um Jesus Christus. Dass ihre Traurigkeit tatsächlich noch in Freude verwandelt werden wird, kann sie nicht denken. Denn es liegt jenseits aller Vorstellungskraft, dass ein gekreuzigter Toter als lebendiger Auferstandener ihr entgegentreten wird. Jedoch sind Marias Tränen in diesem Moment gerechtfertigt, wie auch unsere Tränen an den Gräbern unserer Verstorbenen ihre Berechtigung haben. Denn der Tod behält in dieser Zeit durchaus seine Schrecken, lässt die quälende Frage des Warum stellen, lässt die Lebenden traurig zurück. Der Tod ist trotz all seiner Vorläufigkeit dennoch der Feind des Lebens. Trotzdem weiß der Christ darum, dass die in Jesus Christus Entschlafenen in Gottes Frieden ruhen und nichts sie von der Liebe Gottes in Christus Jesus scheiden kann. Wissen wir aber unsere im Herrn Heimgegangenen in Gottes Händen, dann sind sie in ihm geborgen. Das gilt auch für uns. Durch die Liebe Gottes in Jesus Christus bleiben wir miteinander verbunden.

Von dem ahnt Maria Magdalena als Zeitzeugin der Auferstehung zunächst nichts. Sie sucht den lebendigen Herrn bei den Toten. Dort muss er sein, ist er aber nicht. Sein Leichnam muss gestohlen sein, anders ist das vorfindliche Geschehen nicht zu erklären. Die Gewissheit des Todes ist ihr unbezweifelbar. Wer wollte es ihr verdenken oder sie gar tadeln? Mit dem Auferstandenen spricht Maria, ohne auch nur im Entferntesten daran zu denken, dass es der Herr selbst ist. Die Gewissheit des Todes lässt für Maria keinen anderen Schluss zu, als dass ihr Gesprächspartner der Gärtner ist. Erst die Ansprache des Herrn – seine ihr vertraute Stimme und ihr Name - lässt sie die alte Gewissheit des Todes überwinden. Maria Magdalena wendet sich zum Auferstandenen um. So muss man in Abwandlung von Neil Armstrongs Äußerung im Rahmen der ersten Mondlandung: „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer für die Menschheit“, über das Ostergeschehen sagen: „Für Maria nur eine kleine körperliche Wende, für die Menschheit eine Zeitenwende!“ Alte Gewissheiten über den Tod sind hinfällig. Es gilt eine neue Zeitrechnung. Die Epoche des Lebens hat mit der Auferstehung des Herrn begonnen und wird ewig dauern.

So erhält Maria Magdalena als Zeitzeugin der Auferstehung einen begrenzten, präzisen und zielgerichteten Auftrag, den sie willig und im Gehorsam zu ihrem Herrn ausführt. Der auferstandene Herr trägt ihr auf, seinen Jüngern kundzutun, dass er zum himmlischen Vater auffahren wird. Den Herrn hat sie gesehen - das gibt sie an die Jünger weiter und das, was er ihr zu sagen aufgetragen hat. Maria Magdalena ist gewürdigt, Zeitzeugin dieser einmaligen Zeitenwende zu sein.

„Der Herr ist auferstanden! – Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!“ – so rufen wir es uns als Christen zum heiligen Osterfest zu. Ostern ist die Zeitenwende vom Tod zum Leben, von der Zeit zur Ewigkeit.

Ich wünsche uns allen trotz aller Herausforderungen, aufgegebenen Leidens, zu tragenden Kummers, ein gesegnetes und frohes Osterfest.

Herzliche Grüße
Ihr Pastor Markus Büttner