Geistliches Wort für Oktober / November 2020



Buettner gruen 500pxGott spricht: Sie werden weinend kommen,
aber ich will sie trösten und leiten.
Jeremia 31,9


Menschen weinen aus verschiedenen Gründen. Darum ist es zuweilen nicht immer einfach in einem Gesicht zu lesen, was denn nun Grund und Anlass ist, Tränen zu vergießen. Tränen mit einem Lächeln im Gesicht lassen auf Freudentränen schließen. Tränen nach einer missglückten Klausur in der Schule deuten auf Tränen der Enttäuschung. Im Supermarkt keinen Lutscher gekauft zu bekommen, kann zu Tränen der Wut führen. Tränen des Schmerzes gibt es bei körperlichen Gebrechen, aber auch bei Verletzungen an der Seele. Tränen des Leides, der Hoffnungslosigkeit und der Verzweiflung spiegeln sich in Gesichtern derer, die schwer zu tragen haben. Abschiedstränen werden vergossen, wer einen geliebten Menschen loslassen muss, sei es durch Trennung bei einem Paar, sei es durch Abschied am Bahnhof oder Flughafen, sei es an den Gräbern unserer Verstorbenen.

Weinend werden sie kommen lesen wir bei Jeremia. Zunächst ist dieses Wort an Israel gerichtet, das in alle Himmelsrichtungen zerstreut gewesen ist. Alles das, was für Israel wichtig gewesen ist, war in der Zeit der Zerstreuung nicht möglich, wie der Besuch des Gottesdienstes im Tempel. Der Verlust der Heimat wiegt für sie schwer. Einige unter uns können nachvollziehen, was es heißt, von der Heimat getrennt zu sein: Das Elternhaus, die Sprache, Kultur und Mentalität, der Duft der Erde nach einem Regenschauer, Freunde und Familie, die zurückgeblieben sind. Mancher fühlt sich entwurzelt, am falschen Ort, nicht angekommen, vielleicht auch nicht willkommen. Der eine oder andere trägt die Sehnsucht nach seiner Heimat in sich.

Gott verheißt Israel, dass er selbst es aus der Gefangenschaft führen, sie sammeln und nach Hause in das gelobte Land zurückbringen wird. Geradezu in bester väterlicher Weise wird er auch auf die ein Auge haben, die besonders seine Fürsorge brauchen. Niemanden wird Gott zurücklassen und sich selbst überlassen. Es wird sich zeigen, dass es nicht nur ein trauriger Rest ist, den Gott sammelt und in die Heimat führt, sondern eine große Gemeinde. Der Zug der weinenden Rückkehrer darf sich von Gott getröstet und geleitet wissen. Ausgangspunkt ist seine Vaterliebe, mit der er sich den Seinen zuwendet.

Als Christen sind wir unterwegs durch diese Welt. Wandernd zieht die Kirche durch die Zeiten. In diesem Zug wandern die Getauften aus allen Völkern, Nationen und Sprachen. Sie tragen ihre Leiden und Schmerzen um Christi willen an sich. Darum spricht man auch von der kämpfenden Kirche in dieser Welt im Gegensatz zur triumphierenden Kirche in Gottes Herrlichkeit. Die kämpfende Kirche ist eine leidende, die von außen bedrängt wird und im Inneren angefochten ist. Viel gibt es zu tragen und zu erdulden. Tränen werden auch uns auf diesem Weg durch die Zeiten nicht erspart. So wird auch der Christ durch Leid und Not geführt, muss Krankheit und Verlust hinnehmen, wird selbst Kummer und Kreuz erdulden. Doch ist dieser Zug der wandernden Getauften in der Kirche Jesu Christi nicht auf sich gestellt. Jesus als das Licht der Welt vertreibt die Finsternis der Nacht. Er ist der wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht. So ist der auferstandene Herr Leitstern für die wandernde Kirche. Jesus Christus ist der Kompass durch die Zeiten.

Als auferstandener und erhöhter Herr ist er mitten in diesem Zug der wandernden Getauften mit seinem Wort gegenwärtig, tritt tröstend in die Mitte der Weinenden, um sie an seinem Tisch mit seinem Leib und Blut im Altarsakrament zu stärken, öffnet seine gekreuzigten Hände, um vergebend Wunden zu verbinden und Verletzungen zu heilen, lädt Menschen durch die Taufe ein, Teil dieses wandernden Volkes zu werden.

Nun wandert dieses Volk nicht ziellos umher, lebt gar nach der irrigen Vorstellung, dass schon der Weg das Ziel sei. Die wandernde Kirche - in und mit ihr die getauften Glaubenden - haben als Ziel die ewige Heimat: Gottes Herrlichkeit. Der Sehnsuchtsort ist der Himmel, wo der leidige und kräftezehrende Kampf mit Leid, Tränen und Schmerz ein Ende haben wird. Dort ist die Heimat. Von dieser Heimat wird uns bei Johannes in der Offenbarung im 21. Kapitel berichtet: Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen. Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

So können wir uns schon jetzt als wanderndes Volk Gottes freuen, wenn wir dann einmal zu Hause in der Heimat in Gottes Herrlichkeit eintreffen werden.

Herzliche Grüße
Ihr Pastor Markus Büttner