Geistliches Wort für Februar / März 2026
Da weinte Jesus.
Johannes 11,35
Tränen fließen aus unterschiedlichen Gründen: Menschen weinen, weil sie entweder traurig, verzweifelt, verletzt, enttäuscht, einsam, hilflos oder wütend sind. Tränen sind äußere Kennzeichen, wie sich ein Mensch gerade fühlt. Unterschiedliche Gefühle brechen sich Bahn, wenn beispielsweise jemand Abschied von einem geliebten Menschen nehmen muss. Für die Hinterbliebenen ist es dann im seelsorgerlichen Gespräch nicht immer einfach zu benennen, weshalb sie weinen. So kann es hilfreich sein, sich über seine Gefühle Klarheit zu verschaffen, sie zu sortieren, sie einzuordnen. Auf diese Weise kann man sie dann besser betrachten, bearbeiten, abgeben. Es ist zutiefst menschlich, zu weinen und dadurch anderen seine Gefühle zu zeigen.
Jesus weint! Er ist nicht irgendwer, Gottes Sohn ist er. Gott weint! Denn er ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Weil der ewige Gottessohn Mensch geworden ist, vergießt der Herr Tränen. Der Herr zeigt Gefühl und weint. Seiner Tränen schämt er sich nicht. Jesus dokumentiert, dass ihm das, was geschehen ist, nahe geht und ihn im Innersten berührt: Sein Freund Lazarus ist gestorben. Vier Tage liegt seine Bestattung in einem Felsengrab schon zurück. Im Trauerhaus bei Maria und Martha herrscht weiterhin Hochbetrieb. Martha holt nach einem kurzen, aber sehr intensiven Gespräch vor Bethanien ihre Schwester Maria, die schnell das Haus verlässt, um zu Jesus zu kommen. Die Trauergäste folgten ihr, weil sie annehmen mussten, sie werde zum Grab ihres Bruders Lazarus laufen. Als Maria Jesus gefunden hat, fällt sie zu seinen Füßen und sagt: „Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.“ Auch die anderen Trauergäste erleben die Szene. Sie klagen und weinen. Warum weinen sie? Das ist nicht leicht auszumachen. Denn die Bibel verschweigt uns die Gründe. Bei Maria sind es wohl verschiedene Motive. Im Gespräch zwischen Jesus und Maria schwingt ein Vorwurf mit. Aber sie wird auch über den Verlust ihres Bruders traurig sein. Für die Trauergäste ist es Pflicht, den Trauernden Trost zu spenden. Sie zeigen durch ihre Tränen ihr Mitgefühl. In diesem Zusammenhang gewährt uns Johannes einen Blick in die Gefühlswelt unseres Herrn. Er sieht Maria und die Trauergäste weinen und wird wütend; oder um die Lutherübersetzung zu zitieren: Er ergrimmte im Geist und erbebte. Der Herr fragt, wo sie Lazarus beerdigt haben, und dann beginnt er zu weinen. Was macht Jesus wütend, dass er Wuttränen vergießt? Wir lesen nur wenige Verse weiter, dass der Herr nochmals ergrimmt, nachdem die einen meinten, er habe Lazarus lieb gehabt und sei nun deshalb traurig, und die anderen ihm den Vorwurf machten, er hätte Lazarus heilen können, wie er Blinde sehend machte. Die Wuttränen des Herrn erschließen sich erst im überlieferten Gebet Jesu mit dem himmlischen Vater. Es geht um das Thema Glaube und Unglaube. Seine Wuttränen erklären sich dadurch, dass weder die beiden Schwestern Maria und Martha noch die Trauergäste glauben, dass er der vom Vater gesandte Sohn ist. Dabei hat der Herr doch das Gespräch mit Martha über das Thema Glauben geführt. Jesus sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt. Aber das, was sie sagt, und wie sich alle verhalten, passt nicht zusammen. Ihre Tränen zeigen ihren Unglauben. Auch wenn alle weinen, sind die Motive der Tränen verschieden. Beide Gründe, warum geweint wird, sind verständlich.
Der Tod erscheint uns Menschen wie eine unüberwindliche Grenze und wie eine letztgültige Wand. Es liegt jenseits unserer Erfahrung, dass ein Toter wieder lebendig wird, selbst wenn dank moderner Medizin heute vieles möglich ist. Aber einer, der schon vier Tage tot ist, kann nicht wieder zurück ins Leben treten. Diese Erfahrung kennen die Menschen damals ebenso wie heute. Es gehört scheinbar zu den menschlichen Gewissheiten, dass der Tod eine letzte Endgültigkeit hat. Diese auf Erfahrung beruhende menschliche Gewissheit wird durch Jesus Christus ungewiss und unsicher. Die Endgültigkeit des Todes wird ungültig durch Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung. Das leere Gartengrab des Herrn ist Zeugnis, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Der Tod mit seiner Endgültigkeit ist besiegt. Beispielhaft hat Lazarus das erfahren dürfen, was diejenigen, die im Glauben an Jesus Christus heimgegangen sind, einst am Jüngsten Tage erleben werden. Der Herr lädt uns ein, ihm zu glauben, dass er die Auferstehung und das Leben ist. Auch wenn wir heute an den Gräbern unserer Lieben stehen und Abschied nehmen müssen, so wissen wir die im Glauben Entschlafenen in Gottes Hand. Der auferstandene Herr wird alle Toten auferwecken und denjenigen, die glauben, das ewige Leben in Gottes Herrlichkeit schenken. Der Tod ist durch die Auferstehung Jesu Christi bezwungen, auch wenn er heute noch unter uns wütet und nach dem Leben greift, um es uns zu nehmen. Er hat jedoch nicht das letzte Wort. Das letzte Wort spricht der Auferstandene! Wie bei Lazarus wird er dich mit deinem Namen aus dem Tod ins Leben rufen. Wer an den Auferstandenen glaubt, wird sein „Komm-Heraus-Erlebnis“ haben, um dann in ewiger Gemeinschaft mit dem Dreieinigen Gott zu leben. Denn Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Das scheint schier unglaublich, damals wie heute. Dennoch wird es wahr sein, weil das ewige Wort Jesus Christus es zugesagt und zugesichert hat. Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Herr das, was er verspricht, halten wird. Uns, die wir an Jesus Christus glauben, ist diese Zusage eine feste Gewissheit. Die Botschaft der Auferstehung mag unglaublich sein, und doch erweist sie sich als wahr, weil der Herr
selbst dafür einsteht.
Dass wir Teilhaber an der Auferstehung werden, dafür ist Jesus Christus Mensch geworden, hat gelitten und ist am Kreuz gestorben. Auch er musste durch den Tod hindurch, um ihn zu besiegen. In der vor uns liegenden Passionszeit wollen wir unseren Herrn auf seinem Leidensweg begleiten, uns unter sein Kreuz stellen, um dann am Ostermorgen gläubig staunend am leeren Grab zu stehen.
Ich wünsche uns allen eine besinnliche Passions- und gesegnete Osterzeit und grüße alle auch von Pfarrer Christoph Schulze sehr herzlich als Ihr / Euer
Euer / Ihr Pastor Markus Büttner
