Rückblick


Kirchweihfest der Mariengemeinde –
Festvortrag zum Thema Politik in der Predigt
Am 17. Februar haben wir unser diesjähriges Kirchweihfest gefeiert. Begonnen haben wir diesen Festtag mit einer Beichtandacht. Im sich anschließenden Festgottesdienst mit Feier des heiligen Abendmahls wirkte Prof. Dr. Christoph Barnbrock von der Lutherischen Theologischen Hochschule in Oberursel und zugleich Rektor dieser Bildungseinrichtung unserer Kirche. Er predigte über Psalm 84, dem Tagespsalm für das Kirchweihdenken. Im Anschluss gab es am reich gedeckten Buffet verschiedene Köstlichkeiten, an dem wir uns für den Vortrag stärkten.
Ab 13.00 Uhr hörten die interessierten Zuhörer dann den Vortrag von Prof. Barnbrock mit dem Thema, Politische Predigt - Politik in der Predigt. Unmöglichkeiten und Notwendigkeiten. Einstieg seines Vortrages war ein Tweet – eine Kurzmitteilung, die im Internet verbreitet wird – des Chefredakteurs der WELT-Gruppe, Ulf Poschardt. Poschardt besuchte die Christmette 2017 in der Evangelischen Kirchengemeinde Nikolassee in Berlin-Zehlendorf und meinte zur dort gehörten Predigt seinerzeit: „Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. bei der Grünen Jugend verbracht.“ Sowohl in den kirchlichen als auch in den säkularen Medien wurde aufgrund dieser Äußerung diskutiert, wie viel Politik eine Predigt verträgt. Barnbrock führte aus, dass ein Schwarz-Weiß-Denken nicht weiterhelfe. Denn selbst die Heilige Schrift setze sich mit gesellschaftlichen und damit auch politischen Themen auseinander. Er verwies an dieser Stelle beispielhaft auf den Propheten Amos.
Kirchengeschichtlich lenkte der Oberurseler Theologieprofessor die Zuhörer zunächst auf die Torgauer Kirchweihpredigt Dr. Martin Luthers vom 5. Oktober 1544. Luther schrieb in dieser Predigt der Elite ins Stammbuch, dass diese die Aufgabe haben in ihrer Stellung der Gesellschaft zu dienen. Wo sie dieser Aufgabe nicht nachkommen, solle ihnen bewusst sein, dass „ein armer Hirtenknabe, der gegen dich gar nicht ist (Anmerkung: gemeint sind die damaligen politischen Eliten) an Gaben und Ansehen vor der Welt, vor Gott und Engeln viel größer ist und empor gen Himmel gehoben wird.“ Weiter stellte Rektor Barnbrock den Zuhörern den württembergischen Hofprediger Lukas Osiander, der Ältere vor. 1596 entließ ihn Herzog Friedrich von Württemberg als Prediger, weil ihm die Predigten zu scharf waren. Schon an der Tatsache, dass bis zum Ende der Monarchie 1919 und der Gründung der Weimarer Republik der Adel Hofprediger hatte, zeigt die enge Verbindung von Thron und Altar, Politik und Kirche.
Im weiteren Verlauf des Vortrages erläuterte Barnbrock die Zwei-Reiche-Lehre evangelisch-lutherischer Theologie. Hierbei definierte er zunächst den Begriff Politik, der sich vom Griechischen Polis herleite und Stadt / Bürgergemeinde meine. Somit sei Politik die Regelung der Angelegenheiten des Gemeinwesens. Politik gebe es demnach stets, einerlei welche Staats- oder Regierungsform bestehe. Politik werde in der Demokratie, in der Monarchie, in der Diktatur oder anderen Staatsformen getrieben. Die politische Predigt, gemeint als feststehende Wendung – wie beispielsweise auch das politische Nachtgebet – ließen sich auf eine bestimmte theologische Richtung des 20. Jahrhunderts zurückführen und zeigten eine Verbindung zwischen Politik und Predigt auf. Diese Richtung hat mit Ende des Kalten Krieges an Bedeutung stark verloren. Für evangelisch-lutherische Theologie und Kirche sei aber eine Unterscheidung von Gottes Wirken in der Kirche einerseits und Gottes Handeln in der Welt durch die Obrigkeit zu unterscheiden. Bischöfe bzw. Pfarrer haben das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen und nicht weltliche Herrschaft anzustreben. Aber auch die lutherische Reformation konnte ihre eigenen Vorgaben nicht durchhalten, da als Notordnung die Landesherren doch wieder zu Kirchenoberhäuptern wurden; das landesherrliche Kirchenregiment etablierte sich bis zum Ende der Monarchie in Deutschland im Jahre 1919. Mit der Ausrufung der Weimarer Republik gab es keinen Kaiser von Gottes Gnaden. Auch verstand sich der Staat nicht mehr unmittelbar als Corpus Christianum – christliches Gemeinwesen. Entsprechend sei die Wahrnehmung gewachsen, der Christ lebe in zwei Welten – der Kirche und der Welt. Dass aber auch evangelisch-lutherische Prediger immer wieder politisch gepredigt haben, machte Barnbrock am Beispiel von Friedrich Wilhelm Hopf, 1910-1982 – u.a. Missionsdirektor der Lutherischen Kirchenmission | Bleckmarer Mission, deutlich. So schreibt Hopf rückblickend auf die Zeit der Pogrome am 9./10. November 1938: „Wir waren damals alle sehr verzagt und haben damals alle sehr versagt. Wir haben kaum etwas gewagt zur Linderung auch nur der größten leiblichen Nöte unserer jüdischen Nachbarn und Bekannten […] Ich habe in jenen Gottesdiensten nach dem 9. November sehr deutlich geredet und bin auch von sehr vielen sehr genau verstanden worden.“ In der Predigt ist durchaus auch politisch zu reden.
Im weiteren Verlauf seines Vortrages stellte der Referent Leitlinien auf, wie seiner Ansicht nach eine Predigt nicht gehalten werden solle. Parteipolitische Festlegungen diskreditieren eine Predigt. Ebenso schade es der Predigt, wenn sich der Prediger ohne nötigen Sachverstand auf komplexe politische Sachverhalten einlasse. Auch gesellschaftliche Ausführungen statt der Predigt von Jesus Christus als Heil der Welt haben in einer Predigt keinen Platz. Provokant formulierte der Vortragende, dass eine Vermischung von beidem nicht statthaft sei: Rettung durch Recycling. Gleichwohl gebe es auch eine politische Predigt, die nötig sei. Hierbei habe sich aber ein Prediger zunächst an seinen Verkündigungsauftrag zu erinnern, nämlich Jesus Christus als Herrn der Welt, Retter der Sünder, Richter über Lebende und Tote am Ende der Welt zu predigen. Dies könne in bestimmten Situationen eine hochpolitische Aussage sein, gerade dann, wenn Machthaber meinen, dass von ihnen oder ihrer Ideologie Heil und Rettung ausgingen. Die politische Predigt, wie sie nötig ist, habe den Hörern aufzuzeigen, wo sie in ihrem Leben Gottes Willen verfehlen und werden durch die Predigt zur Umkehr gerufen. Die Gerichtsansage ist auf das konkrete Leben bestimmter Menschen gerichtet, nämlich vornehmlich auf die, die auch diese Predigt hören. Gleichwohl kann der politische und gesellschaftliche Bereich, in dem auch der Christ lebt, nicht ausgeblendet werden. Eine nötige politische Predigt wird nicht der Versuchung unterliegen als seien Leben und Politik einfach und es bedürfe nur weniger guter Hinweise, um ein ordentliches Leben zu führen. Eine Predigt sei in dieser Weise politisch, dass sie den Predigthörern den Willen Gottes in Anwendung auf diese Zeit und Welt vor Augen zu führen hat. Das Gewissen des Einzelnen habe eine Predigt vom Wort Gottes her zu schärfen und zur Umkehr zu rufen, wo es nötig ist. Grundsätzlich ist die Kanzel nicht mit einem politischen Rednerpult zu verwechseln.
Im Anschluss an den Festvortrag schloss sich eine rege Diskussion an. Der Kirchweihtag endete mit einer Vesperandacht in der Kirche, in welcher der Gemeindepfarrer Markus Büttner die Ansprache hielt. Allen, die zum Gelingen des Tages beigetragen haben, sei an dieser Stelle gedankt.



Betonbalken soll verschönert werden -
St. Marien lud zu Gemeindeversammlungen ein
Der Betonriegel an der linken Seite der St. Marienkirche soll künftig durch Reliefs verschönert werden. Die Jahreshauptgemeindeversammlung der St. Marienkirche hat am Sonntag, 10. März, beschlossen, Bischof i.R. Dr. Jobst Schöne zu beauftragen, das Aussehen des schräg aufsteigenden Balkens dem sakralen Charakter des Gotteshauses anzupassen. Schöne erläuterte den 44 Teilnehmern der Versammlung, wie er mit dem Bildenden Künstler Thomas Lucker nach Motiven suche, die dem Betonbalken seine schroffe Form nähmen. Über Einzelheiten der Entwürfe und die Fertigstellung soll die Gemeinde auf einer Extra-Informationsveranstaltung noch vor den Sommerferien zusammenkommen und zeitnah darüber beschließen. Während der kaum eine Woche dauernden Arbeiten brauche die Gemeinde dann auf keinen Gottesdienst in der St. Marienkirche zu verzichten.
Weiteres Thema war die von einigen Gemeindegliedern vorgebrachten Klage über Unruhe während des Gottesdienstes. Im Verlaufe der Diskussion wurde rasch klar, dass es keine Ideallösung gibt. Pfarrer Büttner erinnerte daran, dass Kinder zu unserer Kirche dazugehörten und St. Marien – im Unterschied zu manchen anderen Gemeinden – froh sein könne, auch ganz junge Menschen im Gotteshaus zu haben. Familien mit Kindern sind herzlich willkommen.
Wichtige Themen der Versammlung, die im Anschluss an den Gottesdienst von Pfarrer Markus Büttner eröffnet worden war, waren zudem der Haushaltsplan für das laufende Jahr und der Jahresabschluss 2018. Frau Hannelore und Herrn Günter T. dankte die Versammlung für die gute Arbeit. Danach steht die St. Mariengemeinde nicht schlecht da, hat indes in diesem Jahr auch größere Ausgaben zu tätigen, insbesondere für Baumaßnahmen wie neue Kirchenfenster in der Taufkapelle. Nach Angaben von Herrn Oliver Sch. und Herrn Thomas F., die den Investitionsplan vorstellten, müssen auch die Lüftungssteuerung „bedarfsgerecht“ auf Vordermann gebracht und Lichtsparmaßnahmen durchgesetzt werden. Helfen sollen bei letzterem eventuell auch Bewegungsmelder.
Die St. Mariengemeinde wird nach dem Votum der Gemeindeversammlung künftig einen eigenen Pfarrbezirk bilden, also ohne die Dreieinigkeitskirche in Steglitz, die wiederum ebenfalls ein eigener Pfarrbezirk sein wird. Dafür hatte sich bereits die Bezirkssynode ausgesprochen. Für die Kirchenleitung nominierte die Versammlung mit großer Mehrheit Florian W. als Kirchenrat, dessen Wahl und endgültige Benennung nur noch von seinem Arbeitgeber abhängen wird. Wie sich im Nachgang jedoch herausstellte, ist eine Gemeindeversammlung jedoch nicht antragsberechtigt. Das Anliegen wird dennoch über die zuständigen Gremien weiter betrieben.
Schon am 4. Februar fand die erste Gemeindeversammlung im laufenden Jahr im Anschluss an den Gottesdienst statt. Pfarrer Markus Büttner hielt seinen Jahresbericht und blickte auf das vergangene Jahr voller Dank und Freude zurück. Im weiteren Verlauf der Gemeindeversammlung wurden als Synodale für die Kirchenbezirkssynode im März Thomas F. und Tatiana L. sowie als stellvertretende Synodale Oliver Sch. und Andrea K. gewählt.
Martinus A. Sch.

 

Einführung von Pfarrer Süß in den Trägervorstand des Kindergartens

Am Sonntag Reminiszere, dem 17. März 2019, ist Pfarrer i.R. Stefan Süß unter Gebet und Segen in seine neue Aufgabe als Mitglied im Trägervorstand unseres Kindergartens St. Marien durch Pfarrer Markus Büttner im Gottesdienst eingeführt worden. Pfarrer i.R. Süß war bis zu seiner Emeritierung Rektor des Naemi-Wilke-Stifts in Guben und Geschäftsführer des zum Stift zugehörenden Kindergartens. Im sich anschließenden Empfang mit Imbiss im Gemeinderaum meinte Pfarrer Büttner fröhlich: „Wir sind dankbar, dass wir auf eine solche diakonische Kapazität zurückgreifen können und freuen uns über die Bereitschaft, uns mit Rat und Tat zur Verfügung zu stehen.“ Auch dankte er Frau Dorothea Süß, dass sie ihren Mann für diese Aufgabe an die Mariengemeinde „ausleiht“.
Ein herzlicher Dank an alle, die bei der Planung und Durchführung mitgeholfen haben.