Geistliches Wort für April / Mai 2019


Buettner weiss 500pxWendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein.
1. Samuel 7,3

Zeitenwende – manchmal schleichend und kaum wahrnehmbar, ein anderes Mal plötzlich und unerwartet. Das, was in Stein gemeißelt – gleichsam für die Ewigkeit – gelten solle, wird bedeutungslos, verliert seine Anziehungskraft, mitunter auch seine Schrecken. Das braune Reich explodierte unter Granaten und Bomben nach zwölf Jahren, obwohl für tausend Jahre propagiert. Das rote Reich implodierte nach 40 Jahren unter Realitätsverlust, Unfreiheit und Misswirtschaft, obwohl diese Ideologie doch weder Ochs noch Esel aufzuhalten vermögen sollte, eine Anspielung an die Weihnachtsgeschichte und somit gegen den christlichen Glauben gerichtet. Die eine Ideologie setzte auf den nationalen Sozialismus, die andere auf den internationalen. Ihnen gemeinsam ist, dass sie den Dreieinigen Gott versucht haben zu verbannen, ihn vergessen zu machen, und ihn versucht haben zu ersetzen mit ihren Göttern, Heilsbotschaften und Heilsbringern. Unsere gesellschaftlichen Götter, Heilsbotschaften und Heilsbringer heißen anders als die vergangener Jahrzehnte, auch wenn sie hier und da heute zuweilen wieder versuchen Gehör zu finden. Lautstark sind andere zu hören und verkündigen auf allen Kanälen den Klima-Gott. Er ist ein fordernder und eifernder Gott, der die Klimasünder straft. Daher rufen einige Kirchen zum Klimafasten auf und haben eine eigene Fastenaktion gleichen Namens ins Leben gerufen. Es gelte dem Klima-Gott gegenüber Buße zu tun, umzukehren, das Klima und damit sich selbst zu retten. Leistung fordert der Klima-Gott vom Einzelnen und von einer Gesellschaft. „Rettet die Welt! Wir haben nur diese Welt!“, ist ihre knallharte und erbarmungslos appellierende Gesetzesbotschaft. Eine Art Klimabeichtspiegel wird dem Einzelnen vorgehalten. Das Klima-Evangelium besteht bestenfalls darin, selbst ein leichteres Gewissen zu haben, seinen Beitrag geleistet zu haben, und von der Gesellschaft anerkennend gelobt zu werden. Manche Jugendliche protestieren als Jünger des Klima-Gottes freitags zur Schulzeit – sie folgen hierin Greta Thunberg, einer ihrer Heilsbringerinnen – und wollen die Klimawende herbeifordern. Religiös-dogmatisch aufgeladen folgt die Gesellschaft mehr oder weniger willig dem Klima-Gott.

Samuel wendet sich an die Gesellschaft seiner Zeit und ruft sie auf: Wenn ihr euch von ganzem Herzen zu dem Herrn bekehren wollt, so tut von euch die fremden Götter und Astarten und richtet euer Herz zu dem Herrn und dient ihm allein, so wird er euch erretten aus der Hand der Philister. So heißt der Vers vollständig im ersten Buch Samuel. Anderen Göttern hat sich die jüdische Gesellschaft zugewandt, hat Hilfe von ihnen erhofft und der Himmelskönigin und Liebesgöttin Astarte gehuldigt. Die Götter unserer Tage tragen andere Namen, doch der Buß-Ruf Samuels gilt auch heute. Nicht halbherzig, sondern ganz soll die Umkehr durch Gottes Güte sein. Nicht nur Lippenbekenntnisse sind gefordert, sondern durch Gottes Güte geführte und gelenkte Umkehr in Gedanken, Worten und Werken zum Dreieinigen Gott. Er selbst schenkt die Neuausrichtung des Herzens. Das Herz wird auf Gott hin justiert und das ganze Leben auf ihn ausgerichtet, damit es im Takt seines heiligen Willens schlägt. Ihm gilt es allein zu dienen. Neben ihm darf es keine anderen Götter geben. Doch Gesellschaften und mit ihr Menschen verlassen immer wieder den lebendigen Gott und suchen sich neue Götter mit ihren Heilsbotschaften und Heilsbringern. Sie vergessen nur allzu schnell, dass sie Gott vergessen haben. Doch bleibt sein Platz nicht frei, sondern an seine Stelle werden andere Götter gesetzt, denen es zu folgen gilt.

Doch Gott ruft sich machtvoll in Erinnerung. Samuel ermahnt im Auftrag Gottes die Gesellschaft durch Gottes Güte umzukehren und ihm von ganzem Herzen zu dienen. Die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk soll wieder intakt sein. Samuels Bußbotschaft kommt an, jedenfalls eine gewisse Zeit. Die Israeliten kehren um und wenden sich Gott zu. Doch auch diese Zeitenwende sollte nicht lange andauern, bis wieder die gleichen Verhaltens- und Aber- oder Ersatzglaubensmuster aufbrechen. Letztlich muss Gott selbst eingreifen. Er sendet seinen Sohn Jesus Christus in diese leidzerrissene Welt, damit der Heiland selbst Heil in und für diese Welt bringt. Die Engel verkündigen es den Hirten: Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr! Er ist in diese Welt gekommen, nicht allein um den Klimawandel aufzuhalten, sondern um selig zu machen, was verloren ist, den sündigen und verloren Menschen. Aus dieser durch Sünde und Schuld totalen Verlorenheit kann sich kein Mensch erlösen, befreien oder retten. Darum ist die Menschwerdung Gottes für uns geschehen, zu unserem Heil, zu unserer Rettung, zu unserer Erlösung. Nicht aber nur der Mensch, sondern die ganze Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen - auch das Klima. Der Mensch kann das Klima nicht retten oder den Klimawandel aufhalten. Er muss schon an diesem Versuch kläglich scheitern. Zurückbleiben werden enttäuschte und verzweifelte Klimajünger, die dem Klima-Gott nicht gerecht geworden sind. Das grüne Reich wird sein Ende finden. Denn der Sünder mit seiner totalen Unfähigkeit den heiligen Willen Gottes zu erfüllen, niedergeschrieben in den 10 Geboten, ist durch seine Sünde selbst der Vergänglichkeit unterworfen und kann weder sich selbst noch die ebenfalls der Vergänglichkeit unterworfene Schöpfung mit dem Klima retten.

Retter und Heiland der Welt, ist nur einer: Der Herr Jesus Christus! Sein Weg führt ihn selber ans Kreuz, um aus der Sünde loszukaufen und die Schuld auf seine Schultern zu nehmen. Mit seinem Opfertod am Kreuz setzt er ein Ausrufungszeichen gegen die Vergänglichkeit, einen Kontrapunkt gegen die Sünde und ein wirksames Zeichen gegen die Schuld. Durch Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz für diese leidzerrissene Welt mit ihren leidgeplagten Menschen schafft er die neue Perspektive in Gottes neuer und ewiger Welt. Zu dieser neuen Welt Gottes in seiner Ewigkeit werden die Erlösten gehören, aber auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Das Geschehen an Karfreitag ist der Bußruf, der einen jeden zur Erkenntnis bringen möge: Ich, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer, die haben dir erreget das Elend, das dich schläget und das betrübte Marterheer. So dichtet Paul Gerhardt in seinem Passionslied, O Welt, sieh hier dein Leben. Vor den Toren Jerusalems kreuzen sich die Balken am Himmel, damit der Himmel offen ist für den, der an den Retter der Welt glaubt. Die Tür in Gottes Welt ist offen, für den, der dem Heiland der Welt vertraut. So ist die Passionszeit – und mit ihr auch die stille Woche mit Karfreitag – ein Ruf zur Umkehr sich durch Gottes Güte dem lebendigen Gott zuzuwenden. Doch bleibt es nicht beim Kreuz, sondern alles läuft auf die wirkliche Auferstehung Jesu Christi hin. Karfreitag ist voraussetzende Notwendigkeit für Ostern. Denn die Auferstehung Jesu Christi setzt sein Opfer am Kreuz für uns in Kraft und erfährt seine Bestätigung. Am Kreuz erkämpft, am Ostermorgen als Sieger über Sünde und Tod erstanden ist Jesus Christus – der Heiland und Retter der Welt. Zeitenwende!

So wünsche ich allen eine besinnliche Passions- und gesegnete Osterzeit
Ihr Pastor Markus Büttner