Geistliches Wort für Februar / März 2019


Markus BuettnerIch bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen
gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.
Römer 8,18

Manch einer hat sich zum neuen Jahr gute Vorsätze vorgenommen. Dazu gehören, wie schon in den vergangenen Jahren wohl auch schon, auf den ersten fünf Plätzen: mehr Zeit für sich selbst, mehr bewegen/Sport, mehr Zeit für Freunde/Familie, Stress vermeiden oder abbauen, gesünder ernähren. Um diese oder andere Vorsätze zu erreichen, wird nicht selten auf ein besseres Zeitmanagement hingewiesen. Es geht beim Zeitmanagement darum, sich nicht zu verzetteln und die Herausforderungen und Aufgaben zunächst zu bewerten und zu priorisieren. So ist zu fragen, was ist jetzt wichtig, was kann warten?

Nicht ganz unähnlich dem Zeitmanagement ist das, was Paulus in seinem Brief an die Römer schreibt. Der Apostel wägt ab, bewertet, priorisiert, nicht wie er seine ihm zur Verfügung stehende Zeit optimieren kann, um effektiver dem Verkündigungsdienst nachzugehen oder mehr Freizeit für seine Hobbies zu haben. Paulus stellt die These auf, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Eine zweifellos steile These – damals und heute! Sie erregt Widerspruch. Denn bliebe dieses Wort isoliert, es ist der Monatsspruch für Februar, könnte es gründlich falsch und als zynisch aufgefasst werden. Man könnte missverstehend herauslesen, Paulus fordere dazu auf, sich nicht anzustellen, das alles doch gar nicht so schlimm sei. Gewiss ist Paulus kein Zyniker. Er selbst hat an eigenem Leibe erfahren, was Leid, Verfolgung, Krankheit, Lebensgefahr, Not bedeuten. Paulus beginnt auch nicht, Leid nach einem Punktekatalog zu bewerten. Leid kann man nicht gegeneinander aufrechnen oder miteinander vergleichen: Wer leidet, der leidet, sei es an einer unheilbaren Erkrankung, sei es an Depressionen, sei es die Angst, einen lieben Menschen durch den Tod loslassen zu müssen, sei es…

Paulus weiß um das ängstliche Harren der Kreatur und um die Vergänglichkeit der Schöpfung. So kann Paulus nur wenige Verse später schreiben: Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt. Jedes Leid ist Kennzeichen der vergänglichen Schöpfung. Ein Christ weiß darum. Leid und Tod werden den meisten Christen wohl nicht erspart bleiben. Weil ein Christ darum weiß, geht er mit dem Leid anders um. Denn Paulus wendet sich mit seinem Brief an Christen und nicht allgemein an alle Menschen. Erfahrenes und erlebtes Leid kann ein Christ von einer anderen Seite aus betrachten: Die Herrlichkeit, die an ihm offenbart werden soll. Herrlichkeit ist Gottes Welt, die Ewigkeit, die himmlische Gemeinschaft.

Paulus macht Mut, seinen Blick nicht auf das Leid zu richten, sondern auf Gottes Herrlichkeit zu sehen. Das ist kein leichtes Unterfangen und gewiss deutlich schwieriger umzusetzen als die guten Vorsätze für das neue Jahr. Denn wer leidet, sieht seine Not und seinen Kummer. Eine andere und neue Blickrichtung einzunehmen ist nicht leicht. Das behauptet der Apostel Paulus auch nicht. Wer Leid als Christ aus dem Blickwinkel der Ewigkeit versucht zu betrachten, der wird Paulus zustimmen können, vielleicht zaghaft, zitternd und mit Tränen in den Augen. Zwar bleibt das Leid, es ist nicht weg, aber es hat sein übergroßes Gewicht angesichts der Herrlichkeit, die Gott den Seinen bereit hält, verloren. Die These des Apostels Paulus bleibt anspruchsvoll und ist wohl für jeden Christen eine Herausforderung für den Glauben ihr zuzustimmen und sie dann auch zur eigenen werden zu lassen. Doch ist dies auch das Wesen des Glaubens vertrauensvoll einzustimmen in das, was jenseits dessen ist, was hinter dem Horizont zu sehen ist. Denn die Herrlichkeit ist Gottes Welt und seine Zukunft. Auf diese Herrlichkeit hofft der Christ, weil er mit Jesus verbunden ist.

Jesus Christus selbst hat am Kreuz durch sein Leiden und Sterben eben diese herrliche Welt Gottes erkämpft. Dort vor den Toren Jerusalems hat er als das Lamm Gottes sein Leben gelassen, damit er uns von der Sünde loskauft und die Schuld bezahlt. Auch er selbst musste durch Leiden und Tod am Kreuz hindurch, um am Ostermorgen als Sieger von den Toten aufzuerstehen. Weil wir durch die Heilige Taufe mit Christus und seinem Geschick verbunden sind, so werden wir auch teilhaben an der Herrlichkeit, die Gott an den Seinen offenbaren und zeigen wird. Das mag ein Trost sein für den, dem Leid aufgetragen und aufgegeben ist. Wer mit den Augen des Glaubens von Gottes Herrlichkeit und seiner Zukunft her denkt, dessen gegenwärtiges Leiden muss nicht übermächtig werden. Denn er weiß mit Paulus, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Gewiss ein schweres Fach in der Schule des Glaubens. Im Leid ist es mühevoll zu buchstabieren. Dennoch gilt die Zusage: Gottes Herrlichkeit wartet!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Passionszeit!

Herzliche Grüße
Ihr Pastor Markus Büttner